Objekt des Monats April 2019

[Boogers (nach 1785 Boër), Johann Lukas]. Uiber den Mißbrauch der Wörtchen Von und Euer Gnaden. Zweyte Auflage. Wien, Gedruckt mit Jahnischen Schriften (Johann Josef Jahn), 1781. 8°. 31 S., Mod. HLwd.

€ 150,-

Seltene Schrift gegen den Mißbrauch von Adelstiteln. – Der bedeutende Mediziner Booger (1751-1835) war kaiserlicher Leibchirurg (auf kaiserlichen Wunsch erfolgte 1785 auch die Namensänderung). 1788-1789 war er Leiter der Abteilung für arme Wöchnerinnen im Allgemeinen Krankenhaus, „gleichzeitig wurde ihm der praktische Unterricht in Geburtshilfe […] und ab 1817 […] auch die Lehrkanzel für theoretische Geburtshilfe an der Universität Wien übertragen. Dies alles erreichte er, weil ihm der Kaiser, obwohl Erzherzogin Elisabeth […] nach der Entbindung (1790) gestorben war (wofür man ihm die Schuld gab, ohne ihm ein Fehlverhalten nachweisen zu können), ihm sein Vertrauen nicht entzog […]. Durch seine Tätigkeit wurde Wien zum führenden Zentrum der modernen Geburtshilfe“ (Wien Geschichte Wiki). – Durchg. (gegen Ende stärker) wasserrandig. Etw. gebräunt u. stockfleckig. – Wernigg 2816.

Objekt des Monats März 2019

Weiske, Heinrich Adolph. Handbuch des Pannotypisten. Gründliche Unterweisung in der Anfertigung von Lichtbildern auf Wachstuch. Nebst einer Zusammenstellung der für den Pannotypisten nothwendigen physikalischen und chemischen Vorkenntnisse. Leipzig, Verlag von Ambrosius Abel, 1859. 8°. Mit 34 Textholzschnitten. VIII, 96 S., Illustr.-OBrosch.

€ 220,-

Erstausgabe. – Enth. die vier Kapitel „Die Camera obscura und das Stereoskop“, „Vom Wägen und Messen“, „Die Chemie“ u. „Das Pannotypverfahren“ („Das Reinigen der Glasplatten“, „Das Collodium“, „Das Silberbad“, „Die Hervorrufung des Bildes“, „Die fixierung des Bildes; transparente Bilder“, Uebertragung des Bildes auf Wachstuch […]“ usw.). – Ehem. Bibl.-Exemplar mit entsprechenden Merkmalen (Bibl.-Schildchen bzw. -Signaturen u. gestempelt). Umschlag m. Randläsuren u. etw. angestaubt. Titel gestempelt. Der unbeschnittene Buchblock an den Rändern etw. bestoßen u. tlw. mit kl. Knickspuren. Etw. gebräunt. – Heidtmann I, 5904.

Objekt des Monats Februar 2019

Burmann, Gottlob Wilhelm. Gedichte ohne den Buchstaben R. Berlin, Joh. Andreas Kunze, 1788. Kl.-8°. 2 Bll., 58 S., 1 Bl., HLdr. d. Zt. m. Rückenvergoldung.

€ 240,-

Erstausgabe dieses kuriosen Werkes, gedichtet um „[…] die deutsche Sprache einmal in einem ganz weichen Dialekt kennen zu lernen, weil sie sich würklich ganz anders ohne r als mit r macht […]“ (Vorwort). – Einband etw. berieben, bestoßen (Kanten tlw. m. kl. Bezugsabsplitterungen) u. fleckig. Ohne das Rückenschildchen. Innendeckel u. Vorsatzbl. m. kl. Wurmspur. Gebräunt u. etw. (stock-)fleckig. – Goedeke IV/1, 96, 28, 17; ADB III, 628 („Sonderling“).

Objekt des Monats Dezember 2018

[Strauss, Heinrich]. Preis-Liste der Orchideen und Bromeliaceen von Heinrich Strauss, Samen- & Pflanzen-Handlung in Ehrenfeld bei Köln. Ehrenfeld, W. H. Muench‘sche Buchdruckerei, 1884. 8°. 10 S., Illustr.-OBrosch.

€ 35,-

Erste Ausgabe. – Aus der Bibliothek des Botanikers Karl Rechinger mit dessen Namenszug am Vorderdeckel. – Leichte Faltspuren. Unterstreichungen. Etw. gebräunt.

Objekt des Monats November 2018

Zwey Historische Relationen, Von denen beyden Königlichen Haupt-Städten Paris und Madrit. Worinnen derer Einwohner, Lebens-Art und Gebräuche aufs deutlichste vorgestellt werden. Aus dem Frantzösischen übersetzt. Ohne Ort, ohne Verlag bzw. Drucker, 1701. 8°. 78 S., Mod. Ppbd.

Euro 220,-

Wohl erste u. einzige dt. Ausgabe. – „Paris kan man mit gutem Fug ein grosses Wirthshaus nennen, denn hier alles voll Wirthshäuser und Tabernen ist, darinnen die Küchen stäts rauchen, und die Leute continuirlich speisen […]. Die Köche sind stets bedacht dem bauch mit neuen sauces, neuen ragouts neue Veränderung zu machen, und weil sie der gewöhnlichen Speisen überdrüßig worden, so haben sie die Kunst erfunden weichgemachte Beine der Thiren, in köstliche Speisen zu verwandeln“. „Die Spitzbuben sind hier geschicktere Leute als die chimici, denn sie wissen aus nichts Gold zu machen, und stehlen mit solcher Behendigkeit, daß einer seine Freude an ihrer List haben würde, wenn es keine Schande wäre sich bestehlen zu lassen […]“. – Gebräunt u. etw. stockfleckig.

Objekt des Monats Oktober 2018

Authentisches Tagebuch der Komtesse Mizzi Veith. Mit Anhang: Briefe von und an Komtesse Mizzi Veith sowie Mitteilungen aus ihrem Kassabuch. Budapest, Verlag von G. Grimm, 1908. 8°. Mit (inkl. Titelportrait) 6 Tafeln. 122 S., 1 Bl., Mod. HLwd. m. mont. illustr. OUmschlag.

Euro 40,-

Erstausgabe. – „Komtesse“ Mizzi Veith (1889-1906) war die adoptierte Tochter eines ehemaligen Adjutanten von Erzherzog Johann Orth und dessen Frau, einer ehemaligen Dienstmagd. Marcel Veith, der sich unrechtmäßig als „Graf“ ausgab, führte die hübsche 15jährige Mizzi in die Gesellschaft ein und verkuppelte sie an spendable Herren. Die junge Mizzi war wohl für Alles zu haben, nur ihre Jungfräulichkeit blieb tabu. Nach einer anonymen Anzeige gegen die Familie wurde der Vater, nicht zuletzt auch wegen des falschen Adelstitels, verhaftet und inhaftiert, die junge Frau nahm sich das Leben. Viele Herren vor allem der höheren Gesellschaft waren zunächst über diese Nachricht erleichtert, was sich aber bald ändern sollte. Mizzi führte nicht nur ein Tagebuch und hatte ihre gesamte Korrespondez aufbewahrt, sondern es fand sich ein auch Kassabuch, in welchem sich die Namen von Aristokraten, Industriellen und anderen einflußreichen Persönlichkeiten fanden. – Der mont. Umschlag oben etw. lichtrandig. Gebräunt. – Hayn/G. IX, 597.